Liebe Freundinnen und Freunde des historischen Tanzes,
am kommenden Wochenende findet in Frankfurt bereits der dritte Kurs mit historischen Tänzen in diesem Jahr statt – Thema: Tänze von Arbeau aus dem 16. Jahrhundert. Für Kurzentschlossene – man kann sich dafür natürlich immer noch anmelden. Wer sich hingegen noch für den Kurs „Das Jane-Austen Wochenende – Aufbaukurs“ am 10.-11. Mai anmelden wollte – da es bislang zu wenig Anmeldungen gab muss der Kurs leider ausfallen. Der darauffolgende Kurs ist dann schon das Pfingst-Special: „La Bourgogne“ aus dem Jahr 1700. Auch auf einen Kurs im Wasserschlösschen von Bad Rappenau am 3.-5. Oktober mit mir als Co-Lehrer möchte ich bereits hinweisen. Apropos hinweisen: die beiden Frankfurter Jane-Austen Wochenenden im November füllen sich bereits rapide – auch in Bochum ist bereits wieder ein Empire Wochenende in Planung, voraussichtlich am 15.-16. November.
Der Überblick
- Barocktanz-Pfingstkurs: La Bourgogne (1700) am 7.-9. Juni 2025 in Frankfurt
- Les plaisirs du bal de Mannheim 3.-5. Oktober 2025 in Bad Rappenau
- Apropos Mindestteilnehmerzahl
- Die verbleibenden Kurse im Frankfurter Jahresprogramm 2025
- Datenschutz und Abmelden vom Newsletter
Barocktanz-Pfingstkurs: La Bourgogne (1700) am 7.-9. Juni 2025 in Frankfurt
Der Barocke Solopaartanz „La Bourgogne“ ist so etwas wie ein moderner Klassiker unter den Choreographien des 18ten Jahrhunderts. So hat der deutsche Musikwissenschaftler Karl Heinz Taubert 1986 mit einem Buch unter dem Titel „Barock-Tänze“ die Choreographie Schritt für Schritt auf Deutsch beschrieben. Leider hat er dabei versäumt, dem Leser den wirklich entscheidenden Schritt im Barocktanz – das Lesen der Beuchamp-Feuillet Notation beizubringen. Ein Spruch, den ich einmal gehört habe, sagt in etwa: „Wenn du einem Menschen eine Geschichte erzählst, so kennt er eine Geschichte. Wenn du ihm aber lesen lehrst, so kann er alle Geschichten kennen“. Daher geht es bei meinen Barocktanz-Kursen nie nur um den einen Tanz, sondern auch ein Stück weit um die Emanzipation vom Lehrer durch das Verstehen der Choreographie. An diesen drei Tagen habe ich dafür extra 90 Minuten eingeplant.
An den drei Tage sind die Zeiten etwas erweitert, um die umfangreiche Choreographie zu erlernen. Einen Teil der Pausen will ich für Einzel- oder Paarunterricht verwenden – für Fragen und zur Verbesserung der Technik. Und es soll den Extrateil zum Lesenlernen geben. Ob alles so stattfindet, hängt natürlich auch von den Wünschen der Gruppe ab.
Zurück zum Tanz – es gibt hier so viel zu erzählen. Der Tanz stammt aus einer Sammlung von Tänzen für den Ballsaal mit Choreographien von Guillaume-Louis Pecour, die von Feuillet 1700 veröffentlicht wurde. Möglicherweise hat Pecour die Choreographie für die jugendliche Marie-Adélaïde de Savoie (1685-1712) erfunden, die 1697 den Enkel von Ludwig XIV. heiratete und so zur Herzogin von Burgund wurde. Die Musik befindet sich ausgestattet mit einer Basslinie auch in einem von Pointel 1700 in den Niederlanden veröffentlichten Druck, der Komponist ist unbekannt. Im Jahr 1705 hat I.H.P. den Tanz in seine Veröffentlichung aufgenommen – hier verbindet er einen Bodenwegplan mit einer deutschen verbalen Beschreibung der Schritte. Auch in einem italienischen Manuskript von Cesare Carlo Scaletta aus dem Jahr 1717 findet sich der Tanz. Schließlich hat Rameau ihn 1725 mit seiner überarbeiteten Version der Beuchamp-Feuillett Notation noch einmal herausgegeben. Und selbst in einem Tanzlehrbuch des frühen 19. Jahrhunderts haben wir dafür noch einmal Tanzanweisungen als verbale Beschreibungen.
Die Tanzsuite „La Bourgogne“ besteht aus den vier Teilen Courante – Bourrée – Sarabande - Passepied. Die Courante als Tanz war der Lieblingstanz des französischen Königs Ludwig XIV., bis sie in ihrer Gunst von Menuett abgelöst wurde. Die Courante in der „Bourgogne“ verwendet das dem Tänzer der Zeit geläufige Schrittmaterial, das auch in einer einfachen freien Courante im Ballsaal Verwendung finden würde. Die Bourrée ist der kürzeste und am leichtesten zu erlernende Teil der Choreographie, zudem wird hier als weitere Erleichterung die komplette Schrittsequenz mit einem anderen Raumweg wiederholt. Die darauffolgende Sarabande ist hingegen dann genretypisch der technisch anspruchsvollste Teil des Tanzes. Der längste und mit seinen Führungsfiguren putzigste Teil des Tanzes ist die abschließende Passepied.
Der technische Anspruch des Tanzes ist moderat, gute allgemeine Tanzerfahrungen, idealerweise erste Erfahrungen mit Barocktanz, sind für diesen Kurs allerdings erforderlich.
Der Frühbucherzeitraum endet für diesen Kurs am 9. Mai 2025.
Les plaisirs du bal de Mannheim 3.-5. Oktober 2025 in Bad Rappenau
Wie bereits vor zwei Jahren gibt es am verlängerten Wochenende mit dem Tag der deutschen Einheit wieder im obersten Stockwerk des Wasserschlösschens von Bad Rappenau einen Tanzkurs angeleitet von einem Kollektiv. Als Lehrerinnen mit mir dabei sind diesmal Birte Hoffmann-Cabenda und wieder Nicoline Winkler. Zum Hintergrund der Quellen wird erneut Carola Finkel etwas erzählen. So ergibt sich bereits eine spannende Mischung aus Lehrstilen.
Noch spannender sind natürlich die Quellen. Im Mittelpunkt der drei Tage steht der Druck: „Les plaisirs du bal de Mannheim“. Er entstammt aus der Blütezeit des Mannheimer Hofs in der Mitte der 1770er Jahre kurz vor seinem Umzug nach München. Selbst Mozart ist in diesen Jahren mehrmals nach Mannheim gereist, um dort die Mannheimer Schule zu erleben. In dem Band enthalten sind 14 Anglaisen und 6 Contredanses françaises en colonne. Letztere sind eine Besonderheit, denn die nach dem Strophen-Refrain Prinzip aufgebauten Contredanses françaises werden üblicherweise in einer Karree-Aufstellung mit vier Paaren an den Seiten eines Quadrats getanzt – hier stehen viele Paare in einer Gasse und je nach Choreographie ist der Tanz für eine Untergruppe von jeweils zwei, drei oder vier Paaren. Den Refrain tanzen die Paare der Untergruppe, bei einigen Strophen interagieren aber auch die Enden der Gruppen miteinander.
Ein weiterer Tanz wird „La palatine – Contre danse“ von Pierre Dubreil sein. Auch hier haben wir wieder eine einzigartige spannende Form: 6 Paare stehen in einer Gasse, zunächst haben die beiden Paare an den Enden der Gasse einen Solopart, dann tanzt die ganze Gasse und abschließend gibt es einen Progressionsteil, der neue Paare an das Ende der Gasse bringt.
Für den Kurs sollte man die Grundlagen der bei den Gesellschaftstänzen verwendeten barocken Schritte beherrschen – alle Tänze werden mit den passenden Schritten getanzt. Die Anmeldung für den Kurs erfolgt nicht bei mir, sondern bei der Organisatorin der Bad Rappenauer Kurse: Nicoline Winkler. Mehr Infos im Kalender für historischen Tanz: https://earlydance.org/node/17356
Apropos Mindest- und Höchstteilnehmerzahl
Für meine Kurse gibt es eine Mindest- und Höchstteilnehmerzahl – sie hängt zum einen von den Choreographien ab, zum anderen vom Raumbedarf. Barocke Solo- und Solopaartänze sind meist sehr raumgreifend, daher beschränke ich bei den 150 Quadratmetern, die uns in Rödelheim zur Verfügung stehen, die Teilnehmerzahl in der Regel auf 12 und die Mindestteilnehmerzahl liegt meist bei 4. Bei den Gesellschaftstanzkursen liegt die Höchstteilnehmerzahl in der Regel bei 24, die Mindestteilnehmerzahl bei 8. Aber nichts ist dabei wirklich in Stein gemeißelt, wenn sich z. B. ein Paar anmeldet und es ist nur noch ein Platzt frei – na klar können die kommen – tanzen ist eins der schönsten Dinge, die man gemeinsam machen kann.
Die verbleibenden Kurse im Frankfurter Jahresprogramm 2025
5.-6. April 2025 Renaissance:
Tänze von Arbeau
7.-9. Juni 2025 Barock-Pfingstkurs:
La Bourgogne
13.-14. September 2025 Barock und Rokoko:
Das Cotillon Wochenende
11.-12. Oktober 2025 Mittelalter/Renaissance:
Tanz zwischen den Zeiten – vom Mittelalter zur Renaissance
1.-2. und 8.-9. November 2025 Empire:
Das Jane-Austen Wochenende
6.-7. Dezember 2025 Barock Solotanz:
Entrée de Saturne / De Phaëton par Monsieur pecourt
Mehr Infos, sowie der „Status“ und freie Plätze unter:
https://www.historische-tanzkunst.de/de/unterricht/workshops.html
Datenschutz und Abmelden vom Newsletter
Der Newsletter ist ein Opt-In Newsletter (Versand nur nach ausdrücklicher Einwilligung). Zum Erhalt speichere ich lokal auf meinem Rechner (sofern vorhanden) den Namen, die Anrede, die eMail-Adresse, und das Opt-In Datum. Um meinen Newsletter künftig nicht mehr zu erhalten, genügt selbstverständlich eine kurze eMail an den Absender (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), die das ausdrückt.
Viele Grüße,
Christian Griesbeck