Wenn von Barocktänzen im engeren Sinn gesprochen wird, sind damit heute die in Feuillet-Notation überlieferte Solotänze oder Solopaartänze des frühen 18ten Jahrhunderts gemeint. Sie nutzen Schrittmaterial und Bewegungstechniken, die im Frankreich des 17ten Jahrhunderts entwickelt wurden. Auch die Gesellschaftstänze des 18ten Jahrhunderts in der Gruppe – die Contredanses, werden mit einer kleinen Auswahl aus diesem Schrittmaterial getanzt. Das Erlernen der Grundtechniken und Grundschritte ist also für beide Tanzarten notwendig. Tanzen lernen heißt im Barock auch, sich in der Gesellschaft bewegen zu lernen. Die barocke Tanztechnik ist daher nicht nur für den Tanz relevant, sie beeinflusst auch die Art, wie ein Mensch im Barock geht und steht – seine Präsenz im Raum, die Höflichkeit in den Referenzen. Mit der Kenntnis des Barocktanzes ändert sich auch die Wahrnehmung von Musik der Zeit – von Bach bis Mozart – alle komponieren Tanzmusik und können selbstverständlich auch Tanzen.

Barocktanz und unser heutiges klassisches Ballett

Aus der französischen Barocktanztechnik haben sich ab dem späten 18ten Jahrhundert die technischen Grundlagen für unser heutiges klassisches Ballett entwickelt, daher ist die terminologische Sprache des Balletts nach wie vor Französisch. Im Barock werden einige Grundsätze wie z.B. die fünf Positionen der Füße definiert, auch viele heutige Begriffe stammen aus der Tanztechnik der Zeit. Es gibt aber auch einige deutliche Unterschiede zum heutigen Ballett, die beachtet werden müssen – so sind heute die Beine weiter auswärts gedreht als im Barock, auch viele Schritte tragen noch den gleichen Namen, werden aber anders ausgeführt. Ballett als körperliches Grundlagentraining für den Barocktanz ist in jedem Fall hilfreich.

Der Raum

Der Barocktanz ist eine raumgreifende Tanzform, besonders im Paartanz werden dabei gerne Figuren in den Raum getanzt. Das Paar tanzt dabei oft punkt- oder achsensymmetrisch und spielt mit dem Wechsel der Symmetrieebenen. Typischerweise tanzt das Paar dabei die gleichen Schritte, bei der Punktsymmetrie mit dem gleichen Fuß, bei der Achsensymmetrie mit dem gegengleichen Fuß. Wechselt die Symmetrie, ist daher meist ein Fußwechsel notwendig. Beim Paartanz ist das Paar in der Regel aufeinander fokussiert, neben Synchronität wird auch gerne mit Asynchronität gespielt, bei dem ein Partner tanzt und der Andere wartet. Auch das Herumführen des Partners ist ein beliebtes Element.

Im Solotanz hat der Solist keinen Partner, um mit diesen Relationen zu spielen, daher ist der Fokus meist auf die statische Présence gerichtet, zu der sich der Solist in Beziehung setzt. Die Raumbewegungen im Solotanz sind linearer, dafür sind die verwendeten Schritte anspruchsvoller. Der Raum spiegelt sich auch in der barocken Tanzschrift wieder, die eine Raumwegenotation ist. Sie kann entsprechend besonders gut raumgreifende Bewegungen erfassen, hat aber Probleme mit Bewegungen die auf der Stelle ausgeführt werden, wie das z.B. bei Gesten, Sprüngen und Drehungen der Fall ist.

Die Körperhaltung und Kleidung

Im Barocktanz hat der Körper eine gerade aufrechte Haltung, bleibt dabei aber in den Bewegungen flexibel, eine künstliche Steifheit ist nicht erwünscht. Die Beine sind gestreckt und aus der Hüfte heraus um jeweils 45 Grad ausgedreht, was einen Gesamtwinkel von 90 Grad der Füße zueinander ergibt, den wir in der heutigen Rekonstruktion des Barocktanzes verwenden. Im Laufe des 18ten Jahrhundert steigert sich das Ideal der Ausdrehung weiter in Richtung der 180 Grad des heutigen klassischen Balletts, wie wir aus Stichen und mechanischen Hilfsmitteln der Zeit (Positionsbrettern) schließen können. Durch die Ausdrehung der Beine und dem Anspannen der Bauchmuskulatur wird das Becken leicht gekippt, was den unteren Rücken begradigt. Die Schultern sind leicht zurückgenommen und sollen nicht angehoben werden, sondern natürlich fallen. Die Arme sind in der Ausgangshaltung minimal gerundet diagonal nach vorne unten gestreckt. Die Hände sind plastisch geöffnet, Mittelfinger und Daumen nähern sich einander an. Der Kopf schwebt auf der gestreckten Halswirbelsäule – oft hilft dazu die Vorstellung, dass ein Faden den Kopf nach oben zieht. Der Kopf bleibt dabei flexibel, dreht und neigt sich mit dem Blick und den Armbewegungen.

Die Kleidung der Zeit definiert die Haltung und den Bewegungsraum des Körpers, insbesondere der Arme, aber auch die Art und Weise, wie Schritte gesetzt werden. Falls der Tänzer oder die Tänzerin an den Körper angepasste historisch aufgebaute Kostüme trägt, wird die gerade Haltung durch die eng sitzende Kleidung der Zeit unterstützt. Die Damen tragen als Teil der Unterkleidung eine Schnürbrust (wie man das Korsett der Zeit nennt). Sie versteift den Rumpf und sorgt mit den daran befestigten Schulterträgern dafür, dass die Schultern zurückgenommen und nicht angehoben werden. Auch die Oberkleidung der Damen sitzt enganliegend und behindert das Heben der Arme über Kopfhöhe. Die Ärmel sind  ellenbogenlang, was die barocken Bewegungen der Unterarme beim Tanz akzentuiert. Die Hüften werden durch einen Rockunterbau erweitert, was verhindert, dass die Arme einfach seitlich herunterhängen. Die Damen tragen einen lange Rock, der im Ballsaal die Beine vollständig verdeckt, auch auf der Bühne werden allenfalls die Füße sichtbar. Einige Damenroben haben eine Schleppe, die eigene Bewegungen erfordert und natürlich verändern Schuhe mit hohen Absätzen die Haltung und die Schritte.

Auch die Herrenkleidung unterstützt die barocken Bewegungen des Körpers. Die Weste sorgt für eine aufrechte Haltung, viele Exemplare verfügen im Rücken über Bindebänder oder eine Schnürung, um sie eng an den Körper anzupassen. Zusätzlich werden durch den Schnitt der Weste die Schultern zurückgenommen. Manche Westen haben enge Ärmel, die wie bei den Damen den Bewegungsraum einschränken. Auch der Justaucorps ist buchstäblich auf den Körper geschnitten. Die Ärmel der Herren sind länger und haben großen Aufschläge, aus ihnen quellen die Rüschen des üppigen Hemds hervor, die die Hände umrahmen und akzentuieren. Die eng anliegenden knielangen Herrenhosen sind eigentlich für das Sitzen auf dem Pferd optimiert, entsprechend begünstigen sie eine Auswärtsdrehung der Beine. Anders als bei den Damen, sind die Beine bei den Männern ständig präsent und werden durch die knielangen Hosen noch zusätzlich betont.

Gehen, stehen und sitzen

Auch das elegante Gehen und Stehen ist im Barock durchaus Übungssache, und es ist eine Aufgabe des Tanzmeisters, dies zu vermitteln. Auch heute ist es hilfreich, diese Präsenz im Raum unabhängig vom Tanz zu üben. Es ist schade, wenn ein Tänzer sofort nachdem er einen barocken Tanz gemeistert hat, wieder entspannt in eine moderne legere Haltung zurückfällt. Das barocke Gefühl ist eine gewisse Körper- und Geisteshaltung – durch seine Körperhaltung zeigt man seine Rolle in der Gesellschaft. Beim Vorwärtsgehen werden die Schritte von einer vierten in eine andere vierte Position (siehe unten) gesetzt, die Schrittweite sollte dabei etwa zwei Fußlänge betragen. Zu schnelles Gehen oder gar Rennen ist dabei genau so zu vermeiden wie zu langsames Gehen.

Der elegante Mann steht aufrecht und plastisch in einer vierten Position (siehe unten), das Gewicht ruht dabei hauptsächlich auf einem Bein, das andere ist entlastet. Die Arme sind in Opposition zu den Beinen (siehe weiter unten). Alternativ steht er in einer zweiten Position – hier fest auf beiden Beinen. In beiden Fällen sind die Beine wie im Tanz 45 Grad ausgedreht. Der Blick zeigt – hier bin ich, ich nehme meine Umgebung wahr und werde wahrgenommen. Zum Setzen auf einen Stuhl schiebt er zunächst ein Bein nach hinten, um sich der Stuhlkante zu versichern. Dann breitet er die Rockschöße seines Justaucorps auseinander, damit diese an beiden Seiten des Stuhls herunterfließen können (da der Justaucorps zum Sitzen auf dem Pferd konstruiert ist, hat er einen hinten einen Schlitz). Schließlich setzt er sich auf den Stuhl, ohne sich umschauen zu müssen. Er nimmt dabei nicht die ganze Sitzfläche ein und sitzt gerade, ohne die Stuhllehne bemühen zu müssen.

Die elegante Dame steht in einer ersten Position oder einer kleinen vierten Position – ebenfalls mit ausgedrehten Beinen. Von den Damen wird rollengemäß Bescheidenheit und Züchtigkeit erwartet, die sich im Blick ausdrückt. Die Arme sind hier gerne vor dem Körper verschlossen und die Hände halten oft ein Accessoire wie z.B. einen Fächer. Zum Setzen hat die Dame einen hilfsbereiten Herren zur Hand, der für sie den Stuhl zunächst zurücknimmt, damit sie sich in Position begeben kann. Hat sie die passende Position eingenommen, greift sie ihren Rock (ggf. die Reifen des Unterbaus) und hebt ihn leicht an, der Herr schiebt den Stuhl unter die Dame, während sie sich setzt. Auch zum Aufstehen wendet sich die Dame an einen hilfsbereiten Herren, der den Stuhl zurücknimmt, während sie sich erhebt. Natürlich muss die Dame auch das Hinsetzen üben für den Fall, dass kein hilfsbereiter Herr zur Hand ist – hier ist insbesondere zu verhindern, dass der Stuhl durch den Rock weggeschoben wird.

Die fünf Positionen der Füße

Im Zeitalter des Barocks werden die fünf möglichen Positionen mit auswärts gedrehten Füßen im Tanz zum ersten Mal ausformuliert – das wird im Allgemeinen dem Tanzmeister des französischen Königs Pierre Beauchamp zugeschrieben. In der Chorégraphie gibt Raoul-Auger Feuillet weitere fünf entsprechende „falsche“ Positionen für einwärts gedrehte Füße an, die allerdings fast ausschließlich für den grotesken Tanz vorgesehen sind. Die Bezeichnungen für die Positionen werden auch entsprechend verwendet, wenn sich dabei ein Bein oder beide Beine in der Luft befinden. Beim Ausdrehen der Beine ist aus gesundheitlichen und ästhetischen Gründen zu beachten, dass die Ausdrehung ausschließlich aus dem Hüftgelenk heraus geschieht. Bei einem Plié (siehe unten) muss das Knie über dem Fuß (oder dessen Verlängerung in den Raum) bleiben und darf nicht nach innen oder außen kippen.

Die erste Position ist die geschlossene Position der Füße nebeneinander, bei der sich die Fersen berühren. Viele Bewegungen im Barocktanz führen durch diese Position. Auch der Beginn der Demi Coupé Bewegung (siehe unten) ist in der ersten Position, dabei wird ein Fuß leicht vom Boden abgehoben an der Seite angelegt, während das Standbein in ein Plié sinkt.

Die zweite Position ist die offene Position der Füße nebeneinander. Zwischen den Fersen sollte ein Abstand von einer Fußlänge sein. Die zweite Position ist zusammen mit der fünften Position wichtig für alle Seitwärtsbewegungen im Tanz. Auch wenn ein Bein zur Seite in die Luft gestreckt wird, spricht man von einer zweiten Position.

Bei der dritten, vierten und fünften Position befinden sich der Füße auf verschiedene Arten voreinander – dabei kann jeweils der rechte oder der linke Fuß vorne sein. Hier in der dritten Position berührt die Ferse des vorderen Fußes den Innenrist des hinteren Fußes. Die Füße bilden eine Form wie ein schräges, auf den Kopf gestelltes T.

Die vierte Position ist wie die zweite Position eine offene Position. Die Füße stehen im Barock mit den Fersen auf einer Höhe voreinander eine Fußlänge voneinander entfernt. (Hier weicht die barocke Position von der heutigen klassischen Ballettposition ab, bei der die vierte Position stärker gekreuzt ist und die kompletten Füße voreinander stehen.) Die vierte Position ist wichtig für alle Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen. Ein normaler Schritt vorwärts wird beispielsweise von einer vierten Position durch die erste Position in die andere vierte Postion gesetzt. Auch wenn das Bein nach vorne oder nach hinten in die Luft gestreckt wird ist das eine Variation der vierten Position.

Die fünfte Position ist die am stärksten gekreuzte Position, hier berührt die Ferse des vorderen Fußes den großen Zeh des hinteren Fußes. Die fünfte Position wird zusammen mit der zweiten Position für Seitwärtsbewegungen verwendet. Man sollte bei Seitwärtsbewegungen nicht stärker kreuzen als in die fünfte Position (also nie über die Zehenspitzen hinaus), sonst erhält der Schritt einen grotesken Charakter. Auch für die barocken halben Pirouetten ist diese Position wichtig.

Plié – Relevé

Das Senken und Heben des Körpers durch Pliés (Kniebeugen) und Relevés (Erheben auf den Fußballen) ist eines der charakteristischsten Elemente des Barocktanzes überhaupt. Zusätzlich wird hierbei (im Gegensatz zu moderneren Tanzformen wie z.B. dem Wiener Walzer) im Barock der Vorgang des Senkens und Hebens von der Bewegung im Raum abgetrennt und erhält seine eigene Zeit in der Musik. Aus dem Training des heutigen klassischen Balletts kennen wir zwei verschiedene Tiefen des Pliés – das Demi (halbe) Plié, bei dem der Oberschenkel zum Unterschenkel einen Winkel von ca. 90 Grad bilden soll und das tiefere Grand Plié, bei dem der Oberschenkel parallel zum Boden sein soll. Praxisrelevant für den Tanz ist beim heutigen klassischen Ballett wie auch beim Barocktanz das Demi Plié oder eine noch geringere Beugung der Knie. Wie schon erwähnt, ist es für die Gesundheit des Knie- und Fußgelenks wichtig, dass bei einem Plié die Auswärtsdrehung aus der Hüfte kommt und das Knie über der Verlängerung des Fußes bleibt. Das Plié ist dabei der Beginn des barocken Schrittes; man sinkt, um sich danach noch größer und damit dramatischer erheben zu können. Auch als Vorbereitung für jeden Sprung ist das Plié wichtig. Ob man nach einem Sprung im Barock wie heute im klassischen Ballett wieder im Plié landet, ist unter den verschiedenen heutigen Rekonstruktionsschulen umstritten; in Frankreich landet man nach einem Sprung unter Umständen im Elevé, in den USA wird der Sprung mit einem Plié abgefangen – für die Knie gesünder ist in jedem Fall letzteres.

Der Barocktanz ist nach oben gerichtet, die meisten Schritte erfolgen erhoben auf dem Ballen der Füße. Für das Erheben kennt das heutige klassische Ballett mehrere Level, die halbe Spitze und die hohe halbe Spitze. Ab dem 19ten Jahrhundert haben die Damen im Bühnentanz sogar das Erheben auf die Zehenspitzen erlernt, das als Spitzentanz heute der Inbegriff von Ballett schlechthin ist. Wenn im Barocktanz vom Erheben auf die Zehenspitzen die Rede ist, meinen die Autoren aber immer nur das Erheben auf den Fußballen. Wie hoch man sich im Barocktanz auf den Ballen erheben soll, ist ein Streitthema zwischen den verschiedenen Rekonstruktionsschulen – die Schulen und Tänzer, die aus dem heutigen klassischen Ballett kommen, bevorzugen oft die dramatischere hohe halbe Spitze (3/4 hoch), andere Schulen sehen eine niedrige halbe Spitze (1/4 hoch) als die richtige Barockhöhe an. Dabei ist zu beachten, dass sowohl Damen als auch Herren im Barock Absatzschuhe trugen, die Absatzhöhe der Herren senkte sich aber im 18ten Jahrhundert wieder. So liegt die Wahrheit hier vermutlich in der Mitte: auch wenn der hohe Absatz nur eine kleines Stück von Boden abgehoben wird, ist der Fuß für sich betrachtet bereits auf einer hohen halben Spitze.

Demi Coupé

Der Beginn vieler barocker Schritte, ein auftaktiges Senken des Standbeines in ein (demi-) Plié; dabei wird das Spielbein knapp über dem Boden schwebend mit der Fußsohle parallel zum Boden in der erste Position seitlich an das Standbein angesetzt – in diesem Moment sind beide Beine gebeugt. Danach wird das Spielbein in die neue Position der Bewegung gesetzt (zweite, vierte oder fünfte Position) und das Gewicht übertragen – beide Beine sind immer noch gebeugt. Das ehemalige Standbein wird nun zum Spielbein, und an das neue Standbein ebenfalls in der ersten Postion schwebend angesetzt. Schließlich werden das neue Standbein und das Spielbein aus dem Plié heraus gestreckt, das Standbein erhebt sich weiter bis auf den Fußballen ins Elevé, während das Spielbein nach wie vor in der ersten Position angelegt mit der Fußsole parallel zum Boden in der Luft schwebt. Diesen dramatischen Moment in der barocken Bewegung nennt man das Equilibrium. Die hier beschriebene Gesamtbewegung ist ein Demi Coupé. Weitere Gewichtsübertragen innerhalb eines Schrittes werden danach in der Regel ohne ein weiteres Plié auf den Fußballen im Elevé ausgeführt.

Mouvements

Die Schritte des Barocks setzen sich meist aus mehreren Gewichtsübertragungen zusammen und einem oder mehreren dieser Senk- und Hebevorgänge, die man auch Mouvement nennt.  Ein typischer Pas de Bourrée Schritt besteht z.B. aus drei Gewichtsübertragungen mit einem Mouvement am Anfang. Schrittvariationen entstehen, in dem man Mouvements hinzunimmt oder entfernt. Ein Pas de Bourrée a deux mouvements würde beispielsweise zwei dieser Senk- und Hebevorgänge enthalten – den zweiten würde man typischerweise am Ende als letzte Gewichtsübertrag mit einem kleinen Sprung (ohne dabei die Bodenberührung zu verlieren) einbauen.

Drehen, Gleiten, Springen und Fallen

Bei der Bewegung im Raum ändert sich oft die Richtung des Körpers, das kann implizit geschehen, indem der Bewegungspfad eine Kurve beschreitet oder explizit in Form von verschiedenen Arten von Drehungen. Die einfachste Form von Drehung entsteht, indem man die Schritte bereits gedreht setzt. Anspruchsvollere Formen von Drehungen werden als Pirouetten auf dem Fußballen oder als Drehung im Sprung ausgeführt. Eine besondere Bewegungsqualität hat die barocke Soutenu Drehung. Bei ihr wird die Drehung gleichmäßig auf halber Spitze zum zuvor nach hinten gesetzten Bein ausgeführt; dabei wird wie im Barock üblich das Element des Erhebens auf halbe Spitzte von den restlichen Elementen der Bewegung isoliert.

Gelegentlich wird in der Barocktanztechnik das Gewicht nicht mit einem gesetzten Schritt übertragen, sondern durch eine Gleitbewegung. Am paradigmatischsten geschieht das beim Temps de Courante – nachdem man sich zu Beginn des Schrittes (oft mit einer ausholenden Bewegung) auf die halbe Spitze erhoben hat, gleitet man auf den ganzen Fuß in die Zielrichtung und überträgt dabei das Gewicht.

Sprünge sind ein wichtiges Element im Barocktanz. Besonders bei theatralischen Tänzen, die für fortgeschrittene Herren gedacht sind, finden sich schwierige Sprünge mit Entrechat, Drehungen und Capriolen. Aber auch Grundschritte wie der Pas de Gavotte enthalten einfache Sprünge. Wobei viele zeitgenössischen Autoren den Damen höchstens kleine Sprünge zugestehen wollen – sie sollten im Ballsaal auch bei Sprüngen die Bodenberührung nicht aufgeben.

Der Körper im Barocktanz ist sehr kontrolliert, es gibt eine scheinbare Ausnahme – die Tombé (Fall-) Bewegung. Hier fällt der Körper aus einem Elevé in ein (tiefes) Plié. Oft wird, um den Fall auszulösen, das Körperzentrum gezielt aus dem Zustand des Gleichgewichts verschoben. Um dann die Ordnung und Kontrolle wieder herzustellen folgt der Fallbewegung meist ein Sprung.

Referenzen

Die Referenz ist eine Ehrerbietung und manchmal auch eine Geste der Unterordnung. Die Referenzen im Barock werden von den meisten Tanzbuchautoren ausführlich behandelt. Es gibt sie im Stehen, im Gehen, beim Betreten oder Verlassen eines Raums, nach Vorne, zur Seite, von Damen, von Herren, mit Hut – kurzum, Referenzen sind ein Kapitel für sich. Hier daher zunächst nur einige Grundlagen für den Tanz. Typischerweise macht man vor und nach dem Tanz jeweils zwei Referenzen. Die erste Referenz wird der ranghöchsten Person im Raum erwiesen, im Barock zur Présence – dem anwesenden König, heute gerne auch zum Publikum. Die zweite Referenz erweist man seinem jeweiligen Tanzpartner. Tänze, in denen während des Tanzes hingegen eine Vielzahl von Referenzen vorkommen, sind in der Regel Neuschöpfungen von „Zuckerbäckern“ des 20sten Jahrhunderts.

Die Referenz (Knicks) der Dame besteht in der Regel aus dem Führen der Füße in eine geschlossene Position (erste oder dritte Postition), einem langsamen Sinken mit dem Gewicht auf beiden Füßen ins Plié, und einem schnelleren Erheben daraus. Soweit die Dame noch nicht an der Hand des Partners ist kann sie dabei die Hände vor sich ineinander gelegt mit Handflächen nach oben halten, oder eine Hand hält das Handgelenk der anderen Hand, die, wenn sie nicht tanzt, wiederum z.B. einen Fächer halten kann. Der Blick kann von der Dame während ihrer Referenz bescheiden gesenkt werden.

Die Referenz (Verbeugung) des Herren besteht in der Regel aus dem Führen der Beine in eine offene Position (zweite oder vierte Position). In der ersten Position bleibt das Gewicht gleichmäßig auf beiden Beinen, oder wird auf eins der beiden Beine verlagert, während das andere am Boden gestreckt wird. In der vierten Position wird das Gewicht auf das hintere Bein verlagert, während das vordere Bein am Boden gestreckt werden kann. Dann verbeugt sich der der Mann, indem er den Oberkörper nach vorne neigt und sich wieder streckt. Die Arme können dabei leicht gerundet auf Schulterbreite vor den Körper fallen, oder diagonal nach vorne unten geführt sein und auf dieser Höhe bleiben.

Arme

Die Schritte im Barocktanz werden im Solotanz oder beim Tanz für ein Solopaar von Armbewegungen begleitet. Die Feuillet-Notation sieht zwar auch Zeichen für die Armbewegungen vor, aber leider haben die barocken Choreographen es meist unterlassen, diese auch zu nutzen. Welche Armbewegung zu welchem Schritt gehört, ist dem Tänzer oder seinem Tanzmeister in der Zeit bekannt, man spart also an diesem Detail zu Gunsten der Übersichtlichkeit. Wir ergänzen daher heute die Armbewegungen beim Tanz mit Hilfe von theoretischen Tanztraktaten der Zeit.

Je nachdem ob es sich um einen „niederen“ Tanz für den Ballsaal oder einen „hohen“ Tanz für die Bühne handelt, bleiben die Arme dabei in ihren Bewegungen niedrig auf Taillenhöhe oder die Hände werden hoch bis auf Schulterhöhe gehoben. Als Bewegungen finden wir dabei die Drehung der Handfläche nach oben oder unten, ein Kreisen der Hände über innen oder außen, oder die große Bewegung des Unterarms auf einer Kreisbahn nach oben oder unten. Ein charakteristisches Element ist die Opposition der Arme zu den Beinen. Einige Schritte haben ihre spezifischen Armbewegungen. So bewegen sich z.B. beim Menuett die Hände auf der Bahn einer liegende Acht.

Auf Bällen beschränken sich bei den beliebten Contredanses die Armbewegungen auf das Geben bzw. Loslassen der Hände. Der Herr bietet dazu seine Hand mit der Handfläche nach oben an, in die die Dame ihre Hand mit der Handfläche nach unten legt, worauf wiederum der Herr seinen Daumen legt. Bei der Contredanse-Figur der Mühle gibt man seine Hand nur seinem jeweiligen Gegenüber und bildet kein Knäuel in der Mitte (wie man das manchmal heute sieht). Werden die Hände nicht gebraucht, können die Damen ihren Rock mit Daumen und Mittelfinger halten; die Herren können ihre Arme locker leicht gerundet noch vorne diagonal unten halten, oder z.B. eine Hand hinten in den Rücken anlegen.